Thüringer Landesjugendchor gedenkt Clytus Gottwald | nmz

Es war eine große Anerkennung und Auszeichnung für den Thüringer Landesjugendchor, dass Clytus Gottwald als Initiator dem Thüringer Landesjugendchor die drei Clara-Schumann-Liederbearbeitungen widmete.

Der 1925 geborene Chordirigent, Komponist, Musikwissenschaftler und Theologe Clytus Gottwald war die prägende Persönlichkeit der zeitgenössischen A-cappella-Musik und durch seine anspruchsvollen Chorkompositionen von grundlegender Bedeutung. Er starb am 18. Januar im Alter von 97 Jahren.

Es war eine große Anerkennung und Auszeichnung für den Thüringer Landesjugendchor, dass Clytus Gottwald die bei ihm eingegangene Anfrage nach einer Bearbeitung von Clara-Schumann-Klavierliedern sogleich begeistert annahm und diese im Carus Verlag erschienenen Chortranskriptionen dem Thüringer Landesjugendchor widmete Initiator.

Der Doyen der zeitgenössischen Chormusik hat drei Klavierlieder von Clara Schumann ausgewählt und für sechsstimmigen Chor a cappella transkribiert. Diese Arrangements sind eine Hommage an Clara Schumann zu ihrem 200. Geburtstag (1819-1896).

Der Uraufführung durch den Thüringer Landesjugendchor im Juni 2019 folgten seither wiederholte Auftritte in verschiedenen Konzertprogrammen. Clytus Gottwalds anspruchsvolle Transkriptionen für Chor a cappella wurden von Anfang an von allen großen Chören begeistert aufgenommen und weltweit mit großem Erfolg aufgeführt. Besonders die Rundfunkchöre haben seine anspruchsvollen Bearbeitungen unter anderem von Richard Wagner, Gustav Mahler und Richard Strauss immer wieder in ihren Konzertprogrammen.

In seinen Transkriptionen von Orchesterwerken und insbesondere Klavierliedern überträgt er vokale Kompositionstechniken aus der Neuen Musik auf traditionelle Kompositionen und macht die Strukturen der Werke in einem äußerst differenzierten Klang hörbar.

Clytus Gottwald studierte Gesang, Chorleitung (bei Kurt Thomas) sowie Evangelische Theologie, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen und Frankfurt. 1960 gründete er die Schola Cantorum, ein Ensemble von 18 Berufssängern, mit denen er das Ziel verfolgte, die Vereinbarkeit von Neuer Musik und Chormusik wiederherzustellen. Mehr als 80 Werke brachte das Ensemble zur Uraufführung und Erstaufführung, bevor es 1990 aufgelöst wurde. Über 20 Jahre – bis 1988 – war Gottwald Redakteur für Neue Musik beim heutigen Südwestrundfunk und pflegte in dieser Zeit auch seine internationale Tätigkeit als Chorleiter. Danach arbeitete er fast ausschließlich als Komponist.