„Rush“ von Måneskin: Einsamkeit, Heimweh und sinnloser Sex | NDR.de – Kultur

Stand: 23.01.2023 16:50 Uhr

Das Album “Rush!” von Måneskin kombiniert träge Balladen mit kantigem Alternative Rock. Darin stehen die Italiener ihrem großen Erfolg und Ruhm überraschend kritisch gegenüber.

Måneskin auf der Bühne © Valentin Flauraud/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Valentin Flauraud

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von Marcel Anders

“Eilen!” heißt das dritte Album von Mähnenhautdie in den letzten Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt haben: 40 Millionen verkaufte Alben, eine Grammy-Nominierung und Platz 1 beim ESC. All das verarbeiten die Italiener nun in 17 Songs, die ihrem Höhenflug überraschend kritisch gegenüberstehen.

„Es war hart für mich, so lange von zu Hause weg zu sein. Und all diese Konzerte waren purer Stress für mich, weil ich wollte, dass sie perfekt sind.“ sagt Sänger Damiano David im Interview mit NDR Info. „Ich habe immer 100 Prozent gegeben – aber wenn du das lange machst, bist du irgendwann komplett leer. Auf diesem Album wollte ich ehrlich sein und keine negativen Gefühle verbergen. Ich wollte transparent sein – du kann man auch hören.”

Glamouröse Welt des Showbiz? Keiner!

Das Cover des Albums "Eilen!" von der italienischen Band Maneskin © Sony Music

“Eilen!” ist Måneskins drittes Album. Schmachtende Balladen und kantiger Rock setzen sich mit der konzentrierten Oberflächlichkeit der Musikindustrie auseinander.

„Verrückt“ ist das einzige Adjektiv für Sänger Damiano David, das die vergangenen zwei Jahre zusammenfasst. Seit Sieg beim Eurovision Song Contest 2021 die Italiener reiten auf einer riesigen Erfolgswelle. Doch die vielen Reisen, die Auftritte in immer größeren Hallen und der Druck, neue Songs zu erfinden, fordern ihren Tribut. Deshalb “Rush!” über Einsamkeit, Heimweh, aber auch schlechte Partys und sinnlosen Sex. So viel zur glamourösen Welt des Showbiz.

„Wenn du berühmt wirst, erlebst du auch ganz schlimme Situationen. Zum Beispiel in Gesprächen, wo du merkst, dass die Leute dir nicht zuhören, sie wollen nur etwas von dir. Meistens ist es Sex.“ Darum geht es laut Damiano David in dem Song „Baby Said“. “Wir sind zwar Promis, aber auch ganz normale Menschen, die gerne ohne Hintergedanken reden.”

„Rush!“: Schmachtende Balladen und kantiger Alternative-Rock

Supermodels, Rockstars, Chefs von Plattenfirmen – geballte Oberflächlichkeit. Måneskin sind geradezu scharf in ihrer Kritik. Als ob sie sich abgrenzen oder abgrenzen müssten. Sie sind musikalisch recht konventionell. “Eilen!” kombiniert träge Balladen mit kantigem Alternative Rock. Die Killers, Jane’s Addiction oder Red Hot Chili Peppers sind Paten.

Anspruch oder Mainstream?

Dennoch verkauft sich Leadsänger Damiano als Künstler mit Anspruch: „Das unterscheidet uns von Mainstream-Künstlern: Bei uns spürt man, dass die Musik handgemacht ist. Und man sieht die besondere Beziehung, die wir dazu haben. Das macht uns aus.“ glaubwürdiger.” Das scheint ein bisschen hoch für eine Band, die unverfroren die Dienste des Backstreet Boys-Produzenten Max Martin in Anspruch nimmt. Es bietet wenig Originelles – erreicht aber die globale Jugend und brüstet sich damit, den ESC für Rockmusiker attraktiver zu machen.

Bassistin Victoria freut sich schon auf den Auftritt von Sex Pistols-Sänger John Lydon im kommenden Sommer. „Ich finde es toll, dass jemand wie er in diesem Zusammenhang auftaucht. Manche Leute mögen ihn ärgern und sagen: ‚Er verkauft dort.’ Aber ich denke, wenn er seine Einstellung auf diese Bühne bringt, erreicht er viele Menschen, die ihn noch nie zuvor gesehen haben.”

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Dieses Thema im Programm:

NDR-Info | Kultur | 23.01.2023 | 11:42 Uhr

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