„Nichts Neues im Westen“ für neun Oscars nominiert

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nichts Neues im Westen
Der deutsche Beitrag “Nichts Neues im Westen” hat neun Nominierungen im Oscar-Rennen © Reiner Bajo/Netflix/dpa

„Nothing New in the West“ ist ein großer Oscar-Favorit: Das Antikriegsdrama des deutschen Regisseurs Edward Berger hat neun Chancen – sogar in der Top-Kategorie „Bester Film“. Nur ein Beitrag wurde häufiger nominiert.

Los Angeles – Edward Berger ist „ein bisschen überfordert“ – und das aus gutem Grund: Sein Antikriegsdrama „All Things West“ erhielt sensationelle neun Oscar-Nominierungen. Als im Morgengrauen in Hollywood die Kandidaten für die 95. Oscar-Gala bekannt gegeben wurden, hörte der deutsche Regisseur aus Italien zu. Berger, der in Rom drehte, freute sich über eine seltene Doppelnominierung in der Top-Kategorie „Bester Film“ und Bester Internationaler Film.

Laut der Oscar-Akademie ist “Nothing New on the West” erst der achte nicht-englischsprachige Film, der beide Kategorien gleichzeitig gewinnt. Die südkoreanische Satire Parasite schrieb 2020 Oscar-Geschichte, als sie auch diese beiden Trophäen gewann. Berger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagnachmittag am Telefon, er sei „unglaublich glücklich und stolz“, diese kleine Schallmauer durchbrochen zu haben.

Elf Nominierungen für „Alles überall auf einmal“

Nur die schräge Science-Fiction-Komödie „Everything Everywhere All at Once“ erhielt mit elf Nennungen mehr Nominierungen als „Nothing New in the West“. Die Tragikomödie The Banshees of Inisherin ist gleichauf mit neun Oscar-Chancen. Das Biopic „Elvis“ ist achtmal vertreten, Steven Spielbergs autobiografisches Werk „The Fabelmans“ siebenmal. „Top Gun: Maverick“ und „Tár“ haben sechs Nominierungen, „Black Panther: Wakanda Forever“ fünf. James Camerons „Avatar“ ist viermal auf der Liste. Die zum besten europäischen Film des Jahres gewählte Satire „Triangle of Sadness“ des Schweden Ruben Östlund tritt in drei Kategorien an – darunter bester Regisseur und bester Film.

Avatar 2: Der Weg des Wassers
Szene aus dem Film „Avatar 2: The Way Of Water“. © 20th Century Studios/dpa

Vor dem Nominierungstriumph von “Im Westen nichts Neues” wurde “Das Boot” 1983 als deutscher Film mit den meisten Oscar-Kandidaturen gefeiert. Das Kriegsdrama von Wolfgang Petersen (1941 – 2022) wurde sechsmal für Regie, adaptiertes Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton und Tonbearbeitung nominiert. Bei der Siegerehrung ging „Das Boot“ allerdings komplett leer aus. „Gandhi“ war mit acht Oscars der klare Gewinner des Abends.

Auch in diesen Kategorien darf das Filmteam von „Nichts Neues im Westen“ nun auf Oscar-Gold hoffen: Kamera, Make-up & Hairstyling, Production Design, Sound, Visual Effects und adaptiertes Drehbuch. Außerdem wurde der deutsche Komponist Volker Bertelmann, auch bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, für seine eindringliche Filmmusik nominiert.

Der Schrecken des Krieges

„Nichts Neues im Westen“ nach dem Buch von Erich Maria Remarque aus dem Jahr 1929 zeigt die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Perspektive eines jungen Soldaten. Die Hauptrolle spielt der Österreicher Felix Kammerer.

„Ich fand das Buch unglaublich lakonisch, mit einer gewissen Distanz erzählt und versetzte uns trotzdem in die Lage der Hauptfigur“, so Berger. Sie hätten versucht, diesen Ton einzufangen. Sie hätten versucht, den Betrachter praktisch am Revers zu packen, durch den Schlamm zu ziehen und ihm das Gefühl zu geben, mit Paul Bäumer, der Hauptfigur, subjektiv zu erleben.

Deutschlands letzter Erfolg im Rennen um den sogenannten Auslands-Oscar liegt mehr als 15 Jahre zurück: 2007 gewann Florian Henckel die begehrte Trophäe aus Donnersmarcks Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“.

Ein weiterer deutscher Filmemacher darf in diesem Jahr auf einen Oscar hoffen – Florian Hoffmeister ist für seine Kameraarbeit zum Drama „Tár“ nominiert. Cate Blanchett, die eine fiktive Chefdirigentin der Berliner Philharmoniker namens Lydia Tár spielt, ist im Rennen um die beste Hauptdarstellerin.

Andere oscarprämierte Schauspieler sind Michelle Yeoh („Alles auf einmal“), Ana de Armas („Blonde“), Colin Farrell („The Banshees of Inisherin“), Austin Butler („Elvis“) und Brendan Fraser („ Der Wal”).

Alles überall auf einmal
Michelle Yeoh als Evelyn in einer Szene aus dem Film Everything Everywhere All At Once. © David Bornfriend/Leonine/dpa

Die 95. Oscar-Verleihung im Dolby Theatre in Hollywood ist für den 12. März geplant. Zum dritten Mal moderiert US-Moderator Jimmy Kimmel die Oscars. dpa