Dankesbrief an diesen unerschrockenen Kinomann – Leserbriefe Freiburg


Zum Interview „Der Friedrichsbau war mein Lebenstraum“ mit Michael Wiedemann (BZ vom 7. Januar).

Das Traditionskino Friedrichsbau steht kurz vor der Schließung. Die Universitäts- und Grünstadt würde damit ein weiteres Stück Kultur der Extraklasse verlieren. Was hat Michael Wiedemann nicht getan, um seinen Lebenstraum zu unserem werden zu lassen?

Über 40 Jahre lang wurde hier das reichhaltigste, vielfältigste und wertvollste Kinoprogramm der Republik geboten und durch Einladungen zeitgenössischer Filmemacher ergänzt. Es wurde keine Unterhaltung geboten, sondern Kunst, Filmkunst.

Auf dem Programm standen preisgekrönte Arbeiten der besten Regisseure und Schauspieler, aktuelle Dokumentarfilme von großer Brisanz, aber auch stille Naturfilme von großer Schönheit. Ich erinnere mich aus den letzten Jahren an „Das geheime Leben der Bäume“ und Sebastio Salgados Gewaltepos „Das Salz der Erde“. Beide Filme wären für die Freiburger Schüler sehenswert gewesen, wenn die Schulen das Angebot angenommen hätten.

Wiedemann ließ sich nicht beirren, auch wenn nur wenige Zuschauer in der Haupthalle waren. Doch die Kosten ließen sich auf Dauer nicht amortisieren. Streaming-Dienste, die Corona-Pandemie, hohe Mieten und kurzfristige Verträge taten ihr Übriges.

Soll die Filmkunst in unseren Mauern bleiben, bedarf es der Unterstützung der Stadt. Vielleicht gibt es noch eine Rettung in letzter Minute, damit das Kino Friedrichsbau weiterbetrieben werden kann.

Neben aktuellen Filmen konnten nach wie vor einmal pro Woche Klassiker ins Programm aufgenommen werden, zur Freude zahlreicher nostalgischer Filmfans. Wer erinnert sich noch: Children of Olympus, Soi Cuba, Yol, Orphee, Wild Strawberries, Battleship Potemkin, Faust (mit Begründung), When the Cranes Fly, La Strada, Barry Lyndon, Casablanca, Citizen Kane, The Third Man, Gandhi, A Straßenbahn namens Desire, Z – Anatomie eines politischen Mordes, Tod eines Handlungsreisenden, Woyzeck, Effie Briest, Tod in Venedig, Hauptbahnhof, Die Schlacht von Algier, Die Faust im Nacken, Orfeu Negro, Zorba der Grieche, Jules und Jim , M – Die Mörder sind unter uns, Der Blaue Engel, Buena Vista Social Club, Love (Amour) und viele andere.

Viele dieser Filme glänzen mit exquisitem Schauspiel und exzellenter Fotografie.

Ihre Reaktivierung könnte eine Michael-Wiedemann-Retrospektive werden, zugleich eine Dankerklärung an diesen unerschrockenen Kinomann, der uns viele unvergessliche Filmerlebnisse beschert hat.

Lothar Spillmann, Freiburg