„Corsage“ von Marie Kreutzer: Der Skandal um den österreichischen Sisi-Film – einfach erklärt

„Corsage“ von Regisseurin Marie Kreutzer wurde nicht aktiv aus dem Rennen um die Oscars 2023 genommen – und das ist ein Skandal

Der folgende Text befasst sich mit dem Sachverhalt des Besitzes von Kinderpornografie und dem sexuellen Missbrauch von Frauen am Set des Films „Corsage“, dem dort tätige Schauspieler vorgeworfen werden.

Das Drama “Corsage” über die alternde Sisi, Kaiserin Elisabeth von Österreichvon Regisseurin Marie Kreutzer gilt als einer der großen europäischen Filme des Jahres 2022. Hauptdarstellerin Vicky Krieps wurde in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt, und der Film schaffte es auf die Shortlist für den „besten nicht-englischsprachigen Film“. Oscar 2023. Allerdings ist „Corsage“ derzeit aus einem ganz anderen Grund in den Medien: Auf dem Computer eines Hauptdarstellers wurden 58.000 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt gefunden. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, ein weiterer Fall von sexueller Missbrauch am Set die bisher hochgelobte Produktion. Was Marie Kreutzer zu den Vorwürfen gegen die „Corsage“-Besetzung sagt und warum ihr Verhalten nicht zu dem noch aktuellen passt #Ich auch-Debatte kompatibel ist, lesen Sie weiter unten.

“Corsage”: Deshalb steht der Sisi-Film im Zentrum eines Kulturskandals

Eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film sollte der Höhepunkt der Karriere eines jeden Regisseurs sein. Gute Chancen dürfte sich Marie Kreutzer mit ihrem Sisi-Film „Corsage“ über die alternde Kaiserin Elisabeth ausgerechnet haben: Wie oben bereits erwähnt, schaffte es ihr königliches Drama auf die Shortlist für die internationale Auswahl bei den Oscars 2023. Der Film geht um Kaiserin Elisabeth, die mit 40 als „alte Frau“ gilt, ringt mit ihrer Rolle im Imperium – und überlegt, wie sie ihr Vermächtnis und ihre Relevanz in der Welt sichern kann. Der Film wurde von Kritikern hoch gelobt, Sisi-Darstellerin Vicky Krieps erhielt eine Auszeichnung bei den Filmfestspielen von Cannes, Marie Kreutzers Film wurde als fester Oscar-Kandidat gehandelt. Aber kurz vor dem Nominierungen für die Oscars 2023 angekündigt wurden, ist alles anders.

„Corsage“ und Kinderpornografie: Der Fall Teichtmeister

Im Zusammenhang mit „Corsage“ wurden Fälle von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch am Set bekannt. Auf dem Privatcomputer von Florian Teichtmeister, der in dem Drama Kaiser Franz Joseph spielt, wurden 58.000 Dateien mit Kinderpornografie gefunden. 58.000 Dateien, die Teenager und Kinder unter 14 Jahren nackt und bei sexuellen Aktivitäten zeigen. Dass die Karriere des Publikumslieblings aus der Alpenrepublik, der Festanstellungen am Wiener Burgtheater und beim ORF hatte und mit Marie Kreutzers „Corsage“ auch internationale Preisluft schnuppern konnte, am Freitag, den 13., völlig zu Recht abgelegt wird viel zu spät fertig.

Besonders prekär: Die Causa „Teichtmeister“ scheint in der österreichischen Schauspielbranche so gut wie niemanden überrascht oder schockiert zu haben. Denn gut anderthalb Jahre lang wurde gegen den Schauspieler wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelt, nachdem seine damalige Freundin ein Bild auf Teichtmeisters Handy gefunden und gemeldet hatte. Und doch: Dass er im Sommer 2022 noch auf großer Promotion-Tour für „Corsage“ war, ist für alle Opfer sexuellen Missbrauchs ein Schlag ins Gesicht. Aber das ist nicht alles.

„Corsage“: Es ist bekannt, dass sie am Set sexuell missbraucht wurde, bevor die Dreharbeiten begannen

Doch das ist nicht die einzige Wahrheit, die „Corsage“ jetzt erschüttert: Denn neben den Kinderpornografie-Vorwürfen gegen Florian Teichtmeister werden nun auch Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Frauen am Set der Oscar-Hoffnung laut: Frauen beschuldigen eine namenlose „Corsage“ Schauspieler des sexuellen Missbrauchs Besonders brisant: Regisseurin Marie Kreutzer soll davon gewusst haben Kreutzer erklärte, dass sie von den Vorwürfen (die diese Person bestreitet) direkt von der beschuldigten Person erfahren habe.

„Corsage“: Dafür muss sich Regisseurin Marie Kreutzer jetzt rechtfertigen

„Corsage“-Regisseurin Marie Kreutzer hat sich am 22. Januar 2023 erstmals zu den Skandalen um ihren Film geäußert. Sie sagte im ORF, dass Teichtmeister bei „Corsage“ nicht herausgeschnitten oder nach Ende der Dreharbeiten neu besetzt werden könne. Außerdem habe sie keinen Einblick in die privaten Festplatten ihrer Schauspieler, sagte Kreutzer in der „Süddeutschen Zeitung“. Warum war sie im Sommer 2022 trotz der damals bereits bekannten Vorwürfe mit Teichtmeister auf internationaler Promotion-Tour für „Corsage“? Unklar.

Marie Kreutzer wird nun stillschweigendes Wissen oder gar Vertuschung der Vorwürfe vorgeworfen. Sie habe von den Gerüchten um Florian Teichtmeister gewusst, der besagte Schauspieler aus der „Corsage“-Besetzung sei sogar auf sie zugekommen und habe die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn angezeigt. Marie Kreutzer hörte dem mutmaßlichen Täter zu und tat – wenig. Mit mutmaßlichen Opfern habe Kreutzer nach erfolgloser Kontaktaufnahme nicht gesprochen, das sei einfach nicht passiert, so der Regisseur im ORF. Im österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ ging Kreutzer sogar so weit, die Schuld für geduldete und verschwiegene Missbrauchsfälle auf die Kulturindustrie abzuwälzen: Es gebe keine Richtlinien, wie mit öffentlichen, aber anonymen Vorwürfen sexueller Belästigung durch Mitglieder richtig umzugehen sei eines Filmteams außerhalb einer Produktion, so Kreutzer.