Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier

Inhalt / Kritik

Kaylee war früher (Kali Reis) ein erfolgreicher Boxer. Sie lebt jetzt in einer Obdachlosenunterkunft und versucht, mit einem Job als Kellnerin über die Runden zu kommen. Ansonsten verbringt sie ihre Zeit mit der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester Weeta (Mainaku Borrero) suchen. Eines Tages stößt sie tatsächlich auf einen vielversprechenden Hinweis. Als vermeintliches Opfer gelingt es ihr dann, einen auf indigene Frauen spezialisierten Menschenhändlerring zu infiltrieren. Kaylee will nicht mehr nur ihre Schwester retten, sie will den Kriminellen das Handwerk legen…

Starkes Schauspieldebüt

Ob der deutsche Zusatz im Titel hierzulande verwendet wird Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier so besonders gelungen ist, muss jeder Zuschauer nach dem Ansehen selbst entscheiden. Damit wird der Slogan des Originalplakats „The Predators are her Prey“ aufgegriffen, wobei „Predator“ auf Englisch nicht nur Räuber, sondern auch Sexualstraftäter bedeutet. Die Mehrdeutigkeit im Original lässt sich weder dafür noch für den Titel übersetzen, weshalb der Zusatz wohl zumindest als passend einzustufen ist. Wörtlich bezieht sich der englische Titel auf die Rettung von Kaylees Schwester. Aber der Ausdruck „um einen fairen zu fangen“ ist auch umgangssprachlich. Der im übertragenen Sinne verwendete Ausdruck meint das physische Zusammentreffen zweier Personen in einem fairen Streit. Im Grunde geht es also nur ums Kämpfen. Dieses „Prinzip“ gilt nicht nur für die Protagonistin, sondern auch für die Hauptdarstellerin.

Kali Reis (trotz der unterschiedlichen Schreibweise genauso ausgesprochen wie ihre Figur Kaylee) war eine Boxmeisterin mit zwei Gewichten. Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier konzentriert sich stark auf Kaylee, steht oder fällt mit der Leistung von Reis. Schwer genug positives über diese zu sagen und das ist das große Glück von Fang die Schöne. Die Erinnerung neigt dazu, neuen Eindrücken gegenüber etwas verlegen zu sein, aber was Reis hier abliefert, ist wahrscheinlich das beste Schauspieldebüt der jüngsten Vergangenheit. Sie verkörpert ihre Rolle mit der eingeübten Authentizität eines Veteranen. Reis trägt im Grunde den ganzen Film, nichts hätte hier funktioniert, wenn sie in ihrer Darstellung nicht so überzeugend gewesen wäre. Leider ist das nicht der einzige Grund, warum andere Charaktere im Vergleich zu ihr verblassen.

Nicht ganz durchdacht

Der Film ist so auf Kaylee fixiert, dass einfach nicht viel Platz für etwas anderes bleibt. Die meisten anderen Figuren bleiben völlig farblos. Kaylees Schwester wird nicht viel mehr charakterisiert, als Kaylees Schwester zu sein. Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier ist ein Rache-Thriller in der Tradition von about Johannes Wick, nutzt aber viel zu wenig die Kampfkunstfähigkeiten seiner Hauptdarstellerin. Der Film beginnt damit, dass Kaylee sich auf einen Boxkampf vorbereitet, der gegen Ende noch einmal aufgegriffen wird, aber alles ziemlich unausgereift ist. Ein paar halbgare MMA-Szenen werden nichts retten.

Andere Momente fühlen sich auch etwas fehl am Platz an. Während sie als Kellnerin arbeitet, wird Kaylee von einem Teenager erkannt, dessen Lieblingsboxerin sie ist. Bevor er ein Selfie mit ihr macht, lässt er sie wissen, dass er sich immer gefragt hat, was aus ihr geworden ist. Es ist klar, dass diese Szene dazu gedacht ist, uns Kaylee als Charakter vorzustellen, aber es funktioniert einfach nicht ganz. Männer sind mehr als dreimal so häufig begeisterte Fans des Frauenboxens wie Frauen, ebenso wie jüngere Menschen häufiger als ältere Menschen. Trotzdem wäre hier ein älterer Mann oder eine ältere Frau die bessere Wahl gewesen, da ein junger Mensch einfach sein Handy zücken und im Handumdrehen herausfinden würde, was aus seinem Lieblingsboxer geworden ist, wenn er schon einen hat und sie es plötzlich nicht mehr ist im Ring steigt.

Indigene Frauen als Opfer

Im Gegensatz zu Filmen wie Erinnerung – Seine letzte Aufgabe oder Paradies-Highway versucht Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier, nicht versuchen, das Thema Menschenhandel in das tatsächliche Umfeld zu stopfen. Menschenhandel ist das eigentliche Problem. Wie in Windfluss es geht insbesondere um indigene Frauen als Opfer. Schon jetzt ist klar, wie wichtig das Thema für einen Regisseur ist Josef Kubota Wladyka und seine Hauptdarstellerin, aber das Ganze bekommt einfach nicht genug Raum, um sich zu entfalten. Vor allem gegen Ende bröckelt der Film etwas und wirkt gehetzt. Eine unterdurchschnittliche Laufzeit von 85 Minuten ist grundsätzlich zu begrüßen, hier wäre aber eine Überlänge angebracht gewesen. Neben Reis ist der Kameramann das Hauptanliegen Ross Giardina dass der Betrachter den Blick nicht vorzeitig vom Bildschirm abwenden möchte. Inhaltlich gibt es auch intensive Szenen, aber leider verschenkt der Film viel Potenzial.

Kredite

OT: „Fang die Schöne“
Land: Vereinigte Staaten von Amerika
Jahr: 2021
Direktor: Josef Kubota Wladyka
Skript: Josef Kubota Wladyka
Musik: Nathan Halpern
Kamera: Ross Giardina
Beruf: Kali Reis, Shelly Vincent, Kendall Morris, Faye Lone, Rae Anna Gott, Gerald Webb, Isabelle Chester, Jonathan Kowalsky, Kimberly Guerrero, Mainaku Borrero

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